Schulkonferenzen

„In eigener Sache“ - Demokratie von Anfang an

Was ist Demokratie? Wie kann ich mich in meine Gemeinschaft einbringen? Bedeutet das Einfordern von Rechten auch die Übernahme von Pflichten und Verantwortung?

Das sind nur einige der Fragen, die sich rund um das Thema „Demokratie“ auftun und die auch Erwachsene herausfordern und  nachdenken lassen. In einer demokratischen Gemeinschaftsform Verantwortung zu übernehmen ist also nichts, was von heute auf morgen funktioniert (wie man im Alltag rund um den Globus auch immer wieder feststellen kann), man sollte im Idealfall langsam in diese Strukturen hineinwachsen dürfen.

Die Schule kann eine Menge dazu beitragen, diesen Umgang mit Freiheit und  Verantwortung  zu üben und  Kindern eine ihrem Alter angemessene Form der Partizipation anzubieten. Ein Beispiel dafür ist der wöchentlich stattfindende Klassenrat, der den Kindern die Möglichkeit bietet, Vorschläge einzubringen, Konflikte zu lösen, aber auch einmal Gutes hervorzuheben und Komplimente „anzubringen“. Das findet in vielen Klassen schon erfolgreich statt und trägt zu einer erheblichen Entspannung der Gemeinschaft bei.
Die VS Zell ist einen weiteren Schritt gegangen – die Einführung der „Schulkonferenz“. Dabei handelt es sich um ein klassenübergreifendes Gremium, das Themen behandeln soll, die die gesamte Schulgemeinschaft betreffen. Eine Klasse übernimmt die Organisation und Leitung und bringt ein oder zwei Themen in die Diskussion ein.
Dass das erste Thema „Patschenproblem – Ordnung in den Garderoben“ tatsächlich sehr viele Kinder beschäftigt und für ein Schulgremium gut gewählt war, zeigte die rege Teilnahme und die vielen Wortmeldungen bei der ersten Schulkonferenz. Der Vorsitzende und sein Team waren gefordert, die Diskussion zu begleiten und schließlich auch zu einem zusammenfassenden Schlusspunkt zu führen, an dem die nächste Konferenz wieder anknüpfen kann. Jeder Erwachsene, der einmal eine solche Veranstaltung geleitet hat, weiß, dass das eine Herausforderung ist.
Die Kinder haben sie angenommen und lernen eine Menge dabei: Die Organisatoren, was es bedeutet, Verantwortung für eine Veranstaltung zu übernehmen, Menschen für eine eigene Sache zu begeistern (oder zu überzeugen), an einer Sache dranzubleiben und ihre Entwicklung in die eigenen Hände zu nehmen. Die Teilnehmer lernen, dass es Themen gibt, die alle betreffen, dass sie mit manchen Problemen nicht alleine dastehen, dass sie mitverantwortlich sind für Dinge, die an der Schule stattfinden oder nicht – im Guten wie im Schlechten. Die Erwachsenen müssen lernen, Verantwortung (natürlich altersgemäß und mit Begleitung) abzugeben und Vertrauen in diese Verantwortlichkeit der Kinder zu entwickeln. Und alle gemeinsam lernen eine Menge über Gesprächskultur, den Umgang miteinander – wie verhalte ich mich, wenn ein/e andere/r etwas sagt? Was erwarte ich selber von den Mitmenschen, wenn ich mich traue, vor so einer großen Gruppe zu sprechen? …
Wir sind also auf dem Weg, ein solcher kann mitunter auch mühsam sein und gewohnte Strukturen in Frage stellen. Es heißt auch dranbleiben, den Aufwand auf sich nehmen – eine Herausforderung in schnelllebigen Zeiten, trotzdem – so glaube ich -eine Herausforderung die sich lohnt. Schließlich geht es um eine gemeinsame Lernumgebung, die der ganzen Schulgemeinschaft (SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern) gleichermaßen wichtig sein sollte und für die auch alle Beteiligten Ihrem Alter entsprechend Verantwortung übernehmen sollen und dürfen!

VOL Christine Haas